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Zeit, Kosten und Platzbedarfe sind wichtige Faktoren, wenn es um die Erweiterung der kommunalen Glasfasernetze geht. Der flächendeckende Ausbau von digitalen Infrastrukturleitungen schafft die Grundlage für eine zukunftssichere und stabile Versorgung mit Gigabitgeschwindigkeiten – im Festnetzbereich, aber auch für Mobilfunktechnologien wie 5G.

Welche Alternativen bei der Verlegung von digitaler Infrastruktur gibt es?

Der Ausbau der Glasfasernetze wird durch eine Vielzahl von Verlegemethoden ermöglicht. Besonders ländliche Regionen können ihre Bauprozesse durch den Einsatz von Methoden, die zu den ortsspezifischen Gegebenheiten passen, signifikant beschleunigen. Generell werden drei Arten verschiedener Verlegemethoden unterschieden: die offene, grabenlose und oberirdische Bauweise.

Offene Verlegemethoden

© Gigabitbüro des Bundes

Offener Grabenbau
Bei der offenen Grabenbauweise wird die Erdoberfläche mit dem Bagger oder durch Handschachtung geöffnet und ein Graben ausgehoben. Wie dieser Graben hergestellt wird, hängt dabei u.a. von den ortsspezifischen Gegebenheiten und der Bodenart ab.

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Kabelpflugverfahren
Bereits der Name verrät, dass bei diesem Verfahren ein Pflug zum Einsatz kommt. Dieser wird mit Hilfe einer Zugmaschine durch das Erdreich gezogen. Die wirkende Kraft auf das Pflugschwert erzeugt einen Schlitz, in den ein Leerrohrverband verlegt werden kann. Die Methode hat sich besonders im ländlich geprägten Raum, bspw. zwischen Ortschaften, bewährt.

Trenching-Verfahren
Der Begriff Treching bezeichnet umgangssprachlich die folgenden Fräs-, Säge- und Schleifverfahren. Mit Hilfe dieser Techniken werden schmale Gräben oder Schlitze in Böden, Straßen oder Wegen hergestellt. Dabei wird nur wenig Platz in Anspruch genommen und eine schnelle Fertigstellung von Glasfasertrassen ermöglicht. Die verschiedenen Trenching-Verfahren unterscheiden sich u.a. in Tiefe und Breite des hergestellten Grabens bzw. Schlitzes und ihren Einsatzbereichen.

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Kettenfräsverfahren
Beim Kettenfräsverfahren kommt eine Grabenfräse zum Einsatz, die eine an einem Schwert befestigte, gezahnte Kette (ähnlich einer Motorsäge) bis zur gewünschten Grabentiefe in das Erdreich eintaucht. Die Kettenfräse wird anschließend wie ein Pflug durch das Erdreich gezogen und stellt so den Graben her.

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Fräsradverfahren
Für das Fräsradverfahren kommt ein unterschiedlich groß dimensioniertes Fräs-/Felsrad zum Einsatz, abhängig von der gewünschten Breite und Tiefe des Schlitzes. Fräsräder sind vielseitig einsetzbar und können Erdreich wie auch starke Asphalt- oder Betonschichten durchdringen. Je nach verwendeter Maschine können die Leerrohre nach dem Fräsen in einem Arbeitsschritt in den Schlitz verlegt werden.

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Bankettfräsverfahren
Das Bankettfräsverfahren ist dem Fräsradverfahren sehr ähnlich und wird im Bankett entlang von Straßen, typischerweise in ländlichen Bereichen, eingesetzt. Hier wird mittels einer speziellen Fräse ein Schlitz in das Straßenbankett gefräst. Im gleichen Arbeitsschritt werden je nach Bedarf ein oder mehrere Leerrohrverbände in den Schlitz eingebracht und mit (ausgesiebtem) Feinmaterial umhüllt. Darüber wird anschließend ein Trassenwarnband verlegt und der Schlitz mit dem restlichen ausgefrästen, aufbereiteten Aushub oder geeignetem Verfüllmaterial verschlossen.

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Säge- bzw. Schleifverfahren
Schleifverfahren werden im gebundenen Oberbau, also z.B. in Asphalt- oder Betonoberflächen eingesetzt. Mittels einer oder mehrerer paralleler Trennscheiben/Sägeblätter wird ein schmaler Schlitz hergestellt, der in – im Vergleich zu den Fräsverfahren geringerer – Breite und Tiefe variieren kann. Die Leerrohre werden nach dem Schleifen oder durch einen Mikropflug im gleichen Arbeitsschritt in den Schlitz verlegt.

Praxisbeispiel
10. Mai 2022
Trenching in der Stadt Dortmund – Wie der Einsatz von alternativen Verlegemethoden gelingen kann. Eine Videobegleitung.
Der Ausbau und die Erweiterung zukunftsfähiger Telekommunikationsnetze erfolgt durch den Einsatz unterschiedlicher Verlegetechniken. Dazu zählen auch sogenannte Trenching-Verfahren, deren Einsatz in der Praxis jedoch oftmals kontrovers diskutiert wird. Aus diesem […]

Grabenlose Verlegemethoden

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Spülbohrverfahren
Mit den Spülbohrverfahren können Kabelschutzrohre verlegt werden, ohne dafür einen Graben ausheben zu müssen. Eine Pilotbohrung ermöglicht durch Rotation sowie Verflüssigung einen Vortrieb bei unterschiedlichsten Bodenbeschaffenheiten. Nach der durchgeführten Pilotbohrung wird durch Zurückziehen des Bohrgestänges eine Räum- oder Aufweitbohrung vorgenommen und ein Kabelschutzrohr in den Bohrkanal eingebracht.
Kleinere Verfahren wie Mini-Spülbohrsysteme eignen sich besonders für den Einsatz in beengten Platzverhältnissen und schwierigem Gelände, um Hausanschlüsse und kurze Querungen herzustellen.

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Spüllanzenverfahren
Bei diesem Verfahren wird – basierend auf dem Bohrprinzip des Horizontal-Spülbohrverfahrens – ein dünnes Kunststoffgestänge mit Unterstützung eines Wasser-/Bentonitgemisches per Hand in den Baugrund eingeschoben. Daher eignet es sich besonders für die Verlegung im innerstädtischen Bereich und z.B. für die Herstellung von Hausanschlüssen. Je nach Bodenbeschaffenheit können Streckenlängen von bis zu 30 Metern erreicht werden.

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Bodenverdrängungsverfahren (Erdrakete), Richtpressverfahren
Bodenverdrängungsverfahren kommen für Hausanschlüsse oder kurze Querungen von z.B. Straßen oder Schienen zum Einsatz. Eine Erdrakete oder ein steuerbarer Lenkkopf wird durch die Erde getrieben und ein Kabelschutzrohr im Hin- oder Rücklauf eingezogen. Abhängig von der eingesetzten Technologie und den Bodenbeschaffenheiten ist eine (gesteuerte) Bohrung über eine Distanz von bis zu 50 Metern möglich.

Verlegung im Abwasserkanal
Bei einer Verlegung von Leerrohren und Glasfaserkabeln in Abwasserkanälen wird das bereits vorhandene Abwassernetz als Trasse für die neuen Netzinfrastrukturen genutzt. Hierbei werden Leerrohre bzw. Glasfaserkabel entweder direkt in den Kanal eingebaut oder im Rahmen von Kanalsanierungen integriert. Dabei ist es grundsätzlich unerheblich, ob die Kanäle begehbar sind oder nicht. Es können sich gleichermaßen betriebene wie stillgelegte Abwasseranlagen eignen – jedoch ist die technische Eignung im Einzelfall zu prüfen.

Oberirdische Bauweisen

Oberirdische Verlegung von Telekommunikationslinien
Die oberirdische Bauweise kommt besonders für die Anbindung abgesetzter Lokationen im Rahmen der Erschließung ländlicher Räume in Betracht. Sie dient etwa zur Versorgung kleinerer Orte und Ortsteile oder außerhalb einer Ortschaft gelegener Objekte, wie auch für eine effiziente Überbrückung von größeren Strecken. Sie kommt insbesondere in der Ableitungsebene zum Einsatz, um Verzweigungsstelle an den Rändern des Netzes mit Grundstücken und Gebäuden zu verbinden.

Örtliche Gegebenheiten bei der Verlegung mit berücksichtigen

Für die Errichtung gigabitfähiger Infrastruktur eignen sich verschiedene Verlegemethoden. Die Art und Weise des Einsatzes dieser Technologien unterliegt den örtlichen Gegebenheiten. Das Gigabitbüro des Bundes informiert, unter anderem in Workshops und Publikationen, über die Möglichkeiten und Herausforderungen der verschiedenen Verlegemethoden.

Handreichung gibt Übersicht zu den Verlegemethoden und ihren Einsatzmöglichkeiten

BMDV

Sie möchten noch mehr über die verschiedenen Verlegemethoden und deren Einsatzmöglichkeiten erfahren?
Die Handreichung „Verlegemethoden für den Gigabitausbau“ der AG Digitale Netze des BMDV beschreibt die verschiedenen unterirdischen Verlegemethoden sowie die oberirdische Bauweise zur Errichtung von TK-Infrastrukturen im Detail. Dazu gibt sie den kommunalen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern vor Ort eine allgemeine Darstellung der möglichen Verlegemethoden an die Hand, erläutert die gängigen Vorgehensweisen und stellt die verschiedenen Einsatzzwecke und -bereiche übersichtlich dar.
Hier gelangen Sie zum Download der Handreichung „Verlegemethoden für den Gigabitausbau“.

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