Glasfaser in Dormagen: Eigenwirtschaftlicher Ausbau löst Förderung ab
Was bedeutet es für eine Kommune, wenn ein gefördertes Glasfaserausbaugebiet plötzlich zur Chance für eigenwirtschaftlichen Ausbau wird? Diese Frage hat die Stadt Dormagen in Nordrhein-Westfalen in den letzten Monaten beschäftigt. In Dormagen wird ein Ausbaugebiet, das als gefördertes Projekt geplant war, nun in weiten Teilen eigenwirtschaftlich realisiert. Am 28. September 2026 setzten das ausbauende Unternehmen Meridiam Glasfaser GmbH & Co. KG unter der Glasfaserausbaumarke ffiber und Vodafone gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Stadt und des Kreises im Ortsteil Nievenheim den ersten Point of Presence (PoP), den zentralen Netzknoten für das neue Glasfasernetz in Nievenheim, Stürzelberg, Zons, Gohr und Ückerath.
Das Gigabitbüro des Bundes war vor Ort und hat im Nachgang Gigabitkoordinator Hasan Sharifi befragt, der den Prozess auf kommunaler Seite maßgeblich begleitet hat. Sein Fazit: Enger Austausch, klare Ziele und kurze Entscheidungswege haben den Unterschied gemacht.
Was sich für Dormagen verändert hat
Noch im Januar 2026 wurde der Förderbescheid für den Glasfaserausbau in Dormagen durch das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung an den Kreis übergeben. Wenige Monate später zeichnete sich ab, dass Teile des Fördergebiets auch ohne Förderung ausgebaut werden können und rund 7.000 Adressen in sechs Gemeindeteilen in den eigenwirtschaftlichen Ausbau überführt werden. Lediglich vereinzelte Restadressen in den betroffenen Ortsteilen verbleiben im ursprünglichen Förderprojekt. Meridiam Glasfaser verantwortet Ausbau und Finanzierung, Vodafone übernimmt Betrieb, Vermarktung und die Endkundenprodukte.
Für Hasan Sharifi, Gigabitkoordinator des Rhein-Kreises Neuss, war die Reaktion auf das Interesse der beiden Unternehmen eindeutig: Als Vodafone und Meridiam kurz nach der Förderbescheidübergabe ihr konkretes Interesse an einem eigenwirtschaftlichen Ausbau in Dormagen signalisierten, habe man sofort reagiert, die Veröffentlichung der Ausschreibung vorerst ausgesetzt und sich auf die vertiefenden Gespräche mit den Unternehmen konzentriert. Das Vorgehen folgt einer klaren Leitlinie:
Wir als Kreis setzen konsequent auf eine Doppelstrategie: Während der eigenwirtschaftliche Ausbau stets Vorrang hat und wir im engen Austausch mit den Telekommunikationsunternehmen stehen, um marktgetriebene Investitionen zu erleichtern, greift die Förderung dort, wo der Markt allein nicht aktiv wird. Der pragmatische Übergang in den eigenwirtschaftlichen Ausbau belegt den Erfolg dieser Strategie: Fördermittel des Bundes werden geschont und dort belassen, wo sie tatsächlich benötigt werden.
Hasan SharifiGigabitkoordinator, Rhein-Kreis Neuss
Die kommunale Koordination: Flächendeckung als Ziel
Für die Stadt Dormagen war von Anfang an klar: Es sollte nicht nur ein Teil der betroffenen Ortsteile erschlossen werden. Bürgermeister Lierenfeld betonte bei der Veranstaltung, dass das Ziel der Stadt weiterhin sei, jede Adresse in Dormagen mit Glasfaser zu erschließen und dass der eigenwirtschaftliche Ausbau die Attraktivität Dormagens als Standort unterstreiche.
Ein „Rosinenpicken“ einzelner wirtschaftlich attraktiver Straßenzüge stand für Sharifi dabei von Beginn an außer Frage. Der Kreis habe gegenüber den Unternehmen konsequent auf den Ausbau von geschlossenen Clustern bestanden. Das Ergebnis: Rund 95 Prozent der ursprünglich förderfähigen Adressen in den betroffenen Ortsteilen werden nun eigenwirtschaftlich ausgebaut; lediglich die verbleibenden fünf Prozent bleiben im Förderverfahren. Sharifi betont, dass dies öffentliche Haushalte auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene in Millionenhöhe entlaste.
Was steckt hinter der schnellen Umsetzung?
Dass der Wechsel von der Förderung in den Eigenausbau so zügig gelingen konnte, ist kein Zufall. Wo Verwaltung, Koordination und Unternehmen an einem Strang ziehen, lassen sich auch komplexe Übergänge schnell realisieren. Zwischen Bauantrag und den erforderlichen Genehmigungen lagen lediglich rund zwei Wochen. Der Tiefbau auf den Längstrassen hatte bereits vor der PoP-Setzung begonnen. Bis Ende 2026 sollen erste Kundinnen und Kunden aktiv geschaltet, der Gesamtausbau in 2027 abgeschlossen werden.
Was andere Kommunen daraus mitnehmen können
Das Beispiel Dormagen ist kein Einzelfall, aber es ist auch kein Selbstläufer. Es braucht eine aktive Gigabitkoordination, die frühzeitig das Gespräch mit potenziellen Ausbaupartnern sucht und kommunale Interessen konsequent einbringt. Gleichzeitig braucht es ausbauende Unternehmen, die aktiv für den Austausch bei kurzen Kommunikationswegen zur Verfügung stehen und ihre Aufgaben in kurzer Frist anstoßen und umsetzen.
Sharifi fasst zusammen, welche drei Lektionen andere Kommunen aus dem Prozess mitnehmen können:
Erstens ist eine proaktive Marktansprache gepaart mit absoluter Datenhoheit der Schlüssel zum Erfolg. Zweitens braucht es den Mut zur Bündelung: Das konsequente Einfordern geschlossener Stadtteile schützt vor einem unwirtschaftlichen Fleckerlteppich. Drittens zahlt sich eine beharrliche und partnerschaftliche Verhandlungsführung aus. Indem Verwaltungen frühzeitig auf Augenhöhe mit Investoren agieren, lassen sich Millionenbeträge an öffentlichen Steuergeldern einsparen und gleichzeitig maximale Ausbauquoten realisieren.
Hasan SharifiGigabitkoordinator, Rhein-Kreis Neuss







