Einmal bauen, dreifach profitieren: Was Kommunen von Herrischried lernen können
Felshaltiger Untergrund, weit verstreute Ortsteile und eine Fläche von 38 Quadratkilometern: Die Voraussetzungen für den Glasfaserausbau in Herrischried waren alles andere als einfach. Trotzdem erreicht die Gemeinde heute eine flächendeckende Versorgung mit Glasfaser. Die Gemeinde hat beim Glasfaserausbau einen Weg gewählt, der in Deutschland selten konsequent umgesetzt wird: Glasfaser, Strom und in Teilen auch Wasser wurden koordiniert in einem Arbeitsgang verlegt.
Die Mitverlegung verschiedener Infrastrukturen führt zu messbaren Kosteneinsparungen, weniger Baubelastung für die Bevölkerung und einem Bauprojekt, das gleich mehrere Versorgungsbereiche auf den neuesten Stand bringt. Das Gigabitbüro des Bundes hat die Gemeinde besucht und mit Bürgermeister Christian Dröse, Landrat Dr. Martin Kistler sowie weiteren Beteiligten aus Planung, Bau und Bürgerkommunikation gesprochen.
Eckpunkte zum Glasfaserausbau in Herrischried
- Bundesland
- Baden-Württemberg
- Gemeinde
- Herrischried (Landkreis Waldshut)
- Einwohnende
- ca. 2.700
- Ausbauumfang
- 1.145 Adressen (inkl. 50 Haushalte über Graue-Flecken-Programm)
- Dauer Ausbau
- ca. 5 Jahre (2021–2026)
- Finanzierung
- Förderung Bund/Land (Betreibermodell), (Bundeszuschuss: 9,21 Mio. EUR, Landeszuschuss: 4,61 Mio. EUR, Eigenanteil Gemeinde: 1,53 Mio. EUR)
- Mitverlegungsanteil
- 40 % der Gesamttrasse (10 km mit Strom, 9 km mit Backbone-Ausbau des Landkreises)
- Anschlussquote
- 100 % FTTB
- Vertragsquote
- 65 % aktive Verträge
Eine Videoreportage
Mitverlegung als Strategie: einmal bauen, mehrfach profitieren
Herrischried hat die Förderprüfpflicht zur Mitverlegung ernst genommen und daraus eine echte Projektstrategie entwickelt. Auf rund 40 Prozent der Gesamttrasse wurden Glasfaser-, Strom- und teilweise Wasserleitungen gemeinsam verlegt. Dadurch konnten die Tiefbaukosten auf diesen Abschnitten um mindestens 50 Prozent reduziert werden. Die Baustellen dauerten dadurch zwar länger, aber der Untergrund musste nur einmal geöffnet werden. Für die Bürgerinnen und Bürger bedeutete das weniger Lärm und weniger Beeinträchtigungen, da es nur eine Bauphase gab. Zudem wurden am Ende gleich mehrere Versorgungsbereiche auf den neuesten Stand gebracht. Möglich wurde das auch durch die übergeordnete Strategie des Landkreises Waldshut, der bereits 2015 ein gemeinsames Backbone-Netz aufgebaut und alle 32 Städte und Gemeinden in einem Zweckverband zusammengeführt hat.
Bürgerkommunikation: persönlich, früh und flächendeckend
Eine hohe Anschlussquote entsteht nicht von selbst. Herrischried hat von Anfang an auf persönliche Ansprache gesetzt: Eine eigene Stelle im Rathaus war ausschließlich für den Breitbandausbau zuständig, Informationsveranstaltungen fanden in sämtlichen Ortsteilen statt. Haushalte wurden direkt besucht, Fragen beantwortet, Bedenken ausgeräumt. Die häufigsten Hemmnisse wie Kosten und die Sorge vor einem Anbieterwechsel ließen sich im persönlichen Gespräch schnell klären. Das Ergebnis: 100 Prozent Anschlussquote.
Was den Erfolg des Projekts ausmacht, fasst Joachim Baumeister von der TILLIG Geomatics GmbH in einem Satz zusammen: „Kommunikation. Frühzeitig in die Abstimmung gehen, klare Zuständigkeiten schaffen und kontinuierlich im Gespräch bleiben.“
Herrischried als Musterprojekt für die Mitverlegung und Bürgerkommunikation
Das Gigabitbüro des Bundes hat Herrischried im Juli 2026 besucht und mit Akteuren entlang des gesamten Ausbauprozesses gesprochen: Bürgermeister Christian Dröse und Landrat Dr. Martin Kistler geben Einblick in die politische Dimension und den Ablauf des Projekts auf kommunaler und Landkreisebene.
Gerhard Albicker von der Gemeinde Herrischried verantwortete die Abstimmung mit dem Fördermittelgeber und schildert das Förderverfahren. Paul Schlageter, ehemals bei der naturenergie netze GmbH, berichtet von der Bürgerkommunikation vor Ort: Durch Hausbesuche, Infoveranstaltungen und direkte Gespräche konnte er Bedenken ausräumen und Vertrauen schaffen.
Joachim Baumeister (TILLIG Geomatics GmbH), Cedrick Kübeck (naturenergie netze GmbH), Rolf Kaiser (Wassermeister der Gemeinde Herrischried) und Steffen Zimmermann (Gugelberger Bauunternehmen) geben Einblick in Planung, Mitverlegung und Tiefbau und erläutern, warum der koordinierte Ansatz im Schwarzwald der richtige Weg war.
Abschließend haben wir uns angeschaut, was das neue Glasfasernetz für die Menschen und Unternehmen vor Ort konkret bedeutet: Johannes Eckert von Farben Eckert berichtet, wie der Glasfaseranschluss seinen Betriebsalltag verändert hat und warum schnelles Internet für Gewerbetreibende in ländlichen Regionen längst zur Grundvoraussetzung geworden ist.
Wir bedanken uns vielmals bei allen Beteiligten vor und hinter der Kamera.
Wir berichten über Musterprojekte
Wie gelingt Glasfaserausbau in der Praxis? Welche Strategien funktionieren und was können andere Kommunen daraus lernen? Im Rahmen unserer Berichterstattung über erfolgreiche Musterprojekte berichten wir über Erfolgsgeschichten und stellen Erfahrungen, Best Practices und innovative Ansätze vor. Alle Kommunen sind eingeladen, sich aktiv an dem Format zu beteiligen.


