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Ein digitalisiertes Klassenzimmer an der Max-Wiethoff Grundschule verbindet Elemente von digitalem und analogem Unterricht © Max-Wiethoff Grundschule

Die Max-Wiethoff Grundschule in Herne wird seit Mitte 2021 bei laufendem Schulbetrieb kernsaniert. Gleichzeitig wird die digitale Infrastruktur, also das Inhouse-Netz der Schule, zukunftsfähig ausgebaut. Nach Abschluss der Sanierung und des Netzausbaus sollen alle acht Klassen der Grundschule mit modernen digitalen Tafeln und WLAN ausgestattet sein und die 213 Schüler*innen auch ortsungebunden mit Tablets lernen und arbeiten. Im Gespräch mit dem Gigabitbüro des Bundes berichtet Konrektor Sebastian Reinhardt von den Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung an seiner Schule und erklärt, dass sich das Unterrichtsgeschehen mit dem Einsatz der digitalen Technik verändert, der analoge Unterricht aber nicht vollständig ersetzt wird.

Herr Reinhardt, welche Chancen bietet die Digitalisierung für Schüler*innen, die jeweiligen Klassen, aber auch für Schule und Bildung allgemein?

Sebastian Reinhardt: Die Digitalisierung nimmt nicht nur in der Schule, sondern in jedem Lebensbereich immer mehr zu. Wir müssen dazu beitragen, dass die Kinder darauf vorbereitet werden. Bei uns in der Grundschule haben wir die Kinder, welche in acht bis zehn Jahren in das Berufsleben einsteigen. Bis dahin wird kaum etwas nicht digital sein.
Durch die Digitalisierung ist es den Lehrer*innen möglich, besser zu differenzieren: Zum Beispiel können Erklärvideos auf verschiedenen Lernniveaus angeboten werden. Der Unterricht muss in gewisser Weise auch angepasst werden: Lehrer*innen werden eher zu Moderator*innen und Begleiter*innen. In diesem Zusammenhang muss der Unterricht anders vorbereitet werden. Schon heute wird immer mehr vernetzt zusammengearbeitet. Wir sollten die Schüler*innen schon heute darauf vorbereiten, da sie einmal in diese Welt starten werden.

Wie sieht für Sie der optimale Unterricht mit digitaler Unterstützung aus und wie wird dieser durch die digitale Infrastruktur ermöglicht?

Sebastian Reinhardt: In den Richtlinien für Grundschulen, die jetzt im kommenden Schuljahr in Kraft treten, spielt die Medienkompetenz in jedem Fach eine Rolle: In jedem Fach müssen die Kinder für Medien geschult werden. Dies bedeutet eine Umstellung für den Unterricht – sei es kreativ oder um eine gewisse Barrierefreiheit zu erreichen. Der Medienkompetenzrahmen gibt vor, dass Tablets als Werkzeug genutzt und mit ihnen vielschichtig gearbeitet wird. Wichtig ist, dass dabei immer noch eine Balance zum „normalen Unterricht“ herrscht. Die digitalen Geräte müssen also den analogen Unterricht ergänzen. Gerade in der Grundschule sollte es zwingend vermieden werden, dass das Tablet das bisherige Unterrichtsgeschehen komplett ablöst. Motorische Fähigkeiten wie das Schreiben, das nicht über das Tablet zu erlernen ist, müssen natürlich weiterhin analog erlernt werden.

Berichten Sie uns vom Stand der Digitalisierung an der Max-Wiethoff-Schule. Wie sind die Schüler*innen ausgestattet?

Sebastian Reinhardt: Wir haben vor Beginn der Pandemie ein Medienkonzept in der Schule erstellt. Darin haben wir festgelegt, welche Geräte wir nutzen wollen. Technisch ging es darum, dem Schulträger mitzuteilen, welche Räume favorisiert und demnach zuerst ausgestattet werden sollen, da es nicht möglich ist, alle zeitgleich auszubauen. Seit etwa eineinhalb Jahren wird das Schulgebäude komplett saniert. Innerhalb von zweieinhalb Jahren – bis Ende 2022 bzw. Anfang 2023 – soll die Kernsanierung abgeschlossen, das Schulnetz ausgebaut sein. Es müssen verschiedene Fachbereiche zusammenspielen und der Betrieb währenddessen aufrechterhalten werden. Der Anbau mit vier Klassen- und zwei Förderräumen ist bereits fertig und komplett mit WLAN vernetzt. Die Räume, welche bereits saniert wurden, sind schon mit digitalen Tafeln ausgestattet – das entspricht aktuell der Hälfte der Klassen. In den weiteren Klassenräumen finden gerade die Sanierungsarbeiten statt.
Es wurde uns vom Schulträger überlassen, ob wir Tablets, Convertibles oder Laptops als Dienstgeräte für die Lehrer*innen über den DigitalPakt beschaffen. Da wir das Glück hatten, über einen Gewinn 14 Tablets zu besitzen und wir als Schülergeräte ebenfalls Tablets vorsehen, wurde das Kollegium komplett mit Dienst-Tablets ausgestattet. Einheitliche Geräte vereinfachen auch die digitale Vernetzung innerhalb des Klassenraums zwischen Schüler*innen und Lehrkräften. Zusätzlich haben wir 37 Tablets vom Schulträger über den DigitalPakt erhalten, die wir jetzt den Schüler*innen in den Verleih geben. Als Übergangslösung haben wir über den Schulträger für einzelne Räume zusätzlich LTE-Router erhalten.

Inwieweit ergaben sich durch die Bauarbeiten Beeinträchtigungen im Schulbetrieb?

Sebastian Reinhardt: Die zentrale Beeinträchtigung durch die Bauarbeiten ist, dass Räume aufgrund der Sanierung zeitweise nicht zur Verfügung stehen und wir dadurch weniger Arbeitsplatz für die Kinder haben. Durch begrenzte Ausweichmöglichkeiten – dabei werden teilweise auch die Flure oder Spielräume genutzt – kann die Differenzierung und Förderung Einzelner nur in kleinerem Maße stattfinden. Den Firmen ist es in den meist möglich, lärmbelästigende Arbeiten in den Nachmittag, die Ferien oder ins Wochenende zu legen. Falls dringend etwas gebohrt werden muss, kann dies oft nach Absprache in den Schulpausen geschehen. Das ist ein Geben und Nehmen und funktioniert sehr gut. Dreck und Staub tritt natürlich vermehrt im Gebäude auf, aber das nehmen wir mit Hinblick auf die Ergebnisse in Kauf.

Neben der Max-Wiethoff Grundschule werden 40 weitere Herner Schulen mit schnellem Internet versorgt © Max-Wiethoff Grundschule

Welche Herausforderungen ergaben sich, über die reinen Bauarbeiten und die Kernsanierung hinaus, im Zuge der praktischen Umsetzung der Digitalisierung im Unterricht?

Sebastian Reinhardt: Das ist ein ziemlich langer Prozess. Eltern, Schüler*innen und Lehrer*innen müssen sich zunächst einmal an die neue Situation gewöhnen. Die Corona-Pandemie hat uns dazu gebracht, mehr und schneller zu digitalisieren. Der Elternkontakt findet über E-Mails, Chats und Videokonferenzen statt. Dabei wird in der Regel allerdings nur etwa die Hälfte sofort erreicht; alle mit ins Boot zu nehmen, ist die große Herausforderung. Die Kinder müssen sich umstellen, das Tablet als Werkzeug – anstatt als Spielzeug – zu sehen und zu nutzen. Das Kollegium muss zudem das Unterrichten gänzlich ändern.

Es ist somit kein einfacher Weg, auf dem es Keine(n) zu verlieren gilt. Ansonst sorgt es bei Eltern, Schüler*innen oder auch im Kollegium eher für Unmut, als dass es zum Vorteil wird. Im Schulgesetz ist verankert, dass jedes Kind das Recht auf individuelle Förderung hat. Dies ist auch im Bereich der Medien sehr wichtig: Wenn wir das große Ziel haben, jedes Kind gleich auszustatten, müssen wir berücksichtigen, wie die Kinder in der Vergangenheit geschult wurden. Es muss, wie auch in anderen Unterrichtsbereichen, immer auf den/die Einzelne(n) eingegangen werden. Es darf eben nicht davon ausgegangen werden, dass die Kinder die Medien auch so als Werkzeug nutzen können, wie wir das gerne möchten. Deshalb ist es wichtig, dass wir das Recht auf individuelle Förderung für jedes Kind wahrnehmen.

Sind von Anfang an alle den Prozess der Digitalisierung mitgegangen?

Sebastian Reinhardt: Selbst Schüler*innen als „Digital Natives“ können meist nur chatten und Videos angucken. Wenn es um konkrete Arbeitsaufträge, Videokonferenzen oder das Einrichten von Programmen geht, müssen die Schüler*innen begleitet werden. Das ist ein Prozess. Gerade die Kolleg*innen versuchen wir aus diesem Grund gezielt mit ins Boot zu nehmen. Wir haben mittlerweile vier Fortbildungen intern und mit externen Partnern durchgeführt. Es ist mittlerweile so, dass die Kolleg*innen wirkliches Interesse daran haben und das Tablet bei der täglichen Arbeit nutzen. Ich habe bis jetzt noch keine Kollegin und keinen Kollegen erlebt, die/der sich nicht mit dem Thema der Digitalisierung auseinandersetzen wollte.

Wer leistet in Ihrer Schule Hilfe bei technischen Fragestellungen und Problemen?

Sebastian Reinhardt: Als Schule müssen wir immer ein offenes Ohr und eine Ansprechperson haben, die im Hintergrund unterstützt. Im Problemfall darf es nicht lange dauern und Fragen müssen schnell beantwortet werden. Wir arbeiten zum Beispiel mit E-Mails, Sprechstunden sowie Medienbeauftragten. Der Schulträger selbst hat IT-Beauftragte, die, wenn es ins Detail geht, mithelfen. Außerdem gibt es von unserem Cloud-Netzwerk einen Support, den wir anschreiben können. Innerhalb der Schule helfe ich den Kolleg*innen, Schüler*innen und Eltern bei technischen Fragen.
Bund und Land sind gefordert hierfür ausreichend Stunden ins Kollegium zu geben, denn an Grundschulen gibt es nur einen geringen Topf an Entlastungsstunden. Bisher wurde noch nichts von diesem Etat an Stunden aufgestockt. So können Kolleg*innen, die sich um die technische Betreuung kümmern, nicht ausreichend entlastet werden.

Welche Erkenntnisse nehmen Sie aus dem bisherigen Prozess der Digitalisierung und dem Ausbau der digitalen Infrastruktur an der Max-Wiethoff-Schule mit?

Sebastian Reinhardt: Die Beantragung des DigitalPaktes läuft über den Schulträger. Es ist ein langwieriger Prozess, bis die erste Firma in die Schule kommt, um die Baustelle einzurichten. Um durch die Bauarbeiten möglichst wenig im Unterrichtsgeschehen beeinflusst zu werden, hilft es, Absprachen zu treffen. Wenn die Vernetzung und die Geräte da sind, ist es gut, Schritt für Schritt vorzugehen und sich Unterstützung zu holen. Besonders bei der Einrichtung der Endgeräte können bereits Fehler passieren, die hinterher für Mehrarbeit sorgen.
Hier in Herne vernetzen wir uns mit den anderen Schulen über Gruppen und Arbeitskreistreffen. Wir teilen unsere Erfahrungen, um voneinander zu lernen und schneller ans Ziel zu kommen. Ergänzend haben wir eine schulübergreifende Chatgruppe mit Gymnasien, Berufskollegs und Medienbeauftragten der Bezirksregierung Arnsberg eingerichtet. So vernetzt zu sein und es nicht als Einzelkämpfer zu versuchen, hilft uns sehr. Außerdem sollten alle mitgenommen werden: Kollegium, Schüler*innen und Eltern.

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