Ein Jahr Glasfaserpakt Baden-Württemberg: Erste Bilanz, neue Herausforderungen
Ein Jahr nach der Unterzeichnung des Glasfaserpakts Baden-Württemberg zogen 30 Vertreterinnen und Vertreter von Land, Kommunen, Telekommunikationsunternehmen, Branchenverbänden, Stadtwerken und weiteren Akteuren am 16. September 2026 in Stuttgart erstmals gemeinsam Bilanz. Was hat der Pakt bewirkt und wo muss nachgesteuert werden? Dass fast ausnahmslos alle Paktpartner persönlich erschienen, zeigt: Dieser Pakt wird gelebt. Das Gigabitbüro des Bundes hatte den Abstimmungsprozess bis zum erfolgreichen Abschluss der Allianz als neutraler Moderator begleitet und war nun auch beim Evaluierungstreffen vertreten.
Veränderte Marktlage als Rahmen der Diskussion
Die Ausgangslage beim Evaluierungstreffen war eine andere als bei der Unterzeichnung. Während im Sommer 2025 noch eine Aufbruchstimmung im Markt herrschte, prägen heute neue Themen die Debatte: Absagen angekündigter Ausbauvorhaben, Bauverzögerungen, ein hohes Zinsniveau, gestiegene Baukosten und Konsolidierungstendenzen im Markt. Das Ministerium des Inneren, für Digitalisierung und Europa Baden-Württemberg (IM BW) bekräftigte dennoch den Vorrang des eigenwirtschaftlichen Ausbaus und betonte, dass der Glasfaserpakt weiterhin den verbindlichen Rahmen für den Glasfaserausbau im Land bilden soll.
Zentrale Erfolgsfaktoren und Baustellen
Als wichtigster Erfolgsfaktor des vergangenen Jahres wurde von den Teilnehmenden übereinstimmend Vertrauen und eine verlässliche Kommunikation zwischen den Akteuren benannt. Das IM BW bestätigt diese Einschätzung: Das Land pflege einen sehr konstruktiven und offenen Austausch mit Kommunen und TK-Branche, sowohl in etablierten Gesprächsrunden als auch im bilateralen Dialog. Diese regelmäßigen Formate hätten sich als unverzichtbar erwiesen, um die gemeinsame Kommunikationskultur lebendig zu halten und Hürden frühzeitig abzubauen. Die Vernetzung zwischen den einzelnen Akteuren solle künftig weiter vertieft und fest verankert werden.
Gleichzeitig wurden konkrete Defizite sichtbar: Telekommunikationsunternehmen berichteten von Schwierigkeiten in kommunalen Genehmigungsverfahren; Kommunen beklagten, dass sie häufig keine klaren Aussagen zu Ausbauplänen oder Rückzügen erhalten. Sven Butler vom Gigabitbüro des Bundes appellierte an die Unternehmen, Anfragen der Kommunen zeitnah zu beantworten: Solange Kommunen den aktuellen Sachstand nicht kennen, können sie nicht handlungsfähig werden.
Datentransparenz, Gigabitatlas und alternative Legemethoden
Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion war der Gigabitatlas Baden-Württemberg. Das IM BW betonte die zentrale Bedeutung belastbarer Daten für politisches Handeln:
„Nachhaltige Politik braucht eine verlässliche Datenbasis. Während Pressemitteilungen primär die Öffentlichkeit informieren, schaffen adressgenaue Daten die nötige Detailschärfe: Erst mit dieser aussagekräftigen Datengrundlage kann der Gigabitatlas Baden-Württemberg die aktuelle Versorgungssituation und valide Ausbauprognosen abbilden. Für das Land ist die Datentransparenz der Schlüssel, um Fördermittel gezielt einzusetzen, den Netzausbau spürbar zu beschleunigen und politische Zusagen messbar einzulösen.“
Daniel RöckReferatsleiter für Digitale Infrastruktur im Ministerium des Inneren, für Digitalisierung und Europa Baden-Württemberg
Die kommunalen Landesverbände regten an, künftig auch Ausbauabsagen im Gigabitatlas abzubilden, damit das tatsächliche Ausbaupotenzial realistisch berechnet werden kann.Diskutiert wurden außerdem alternative Legemethoden zur Kostensenkung beim Glasfaserausbau sowie die mögliche Verpflichtung zur Nutzung des OZG-Breitband-Portals bei Bauverfahren.
Bürgerkommunikation als wichtiger Hebel
Einig waren sich die Teilnehmenden darin, dass der Glasfaserausbau nicht mit der Verlegung der Leitungen im Straßenkörper endet: Es fehlen vielfach noch die Kundenanschlüsse. Diese sogenannte Take-up-Rate, also der Anteil der Haushalte, die einen verfügbaren Glasfaseranschluss tatsächlich buchen, soll im Glasfaserpakt künftig stärker in den Vordergrund rücken. Das IM BW sieht hier eine Schlüsselrolle für gezielte Kommunikation.
Partnerschaftlich ins zweite Jahr
Das erste Evaluierungstreffen hat gezeigt: Der Glasfaserpakt Baden-Württemberg ist ein lebendiges Instrument, das auf veränderte Marktbedingungen reagieren kann. Die Herausforderungen sind real, aber die Bereitschaft aller Beteiligten, gemeinsam Lösungen zu entwickeln, ist es ebenfalls. Das nächste Evaluierungstreffen ist für 2027 geplant.
Das Gigabitbüro des Bundes begleitet den Glasfaserpakt Baden-Württemberg weiterhin und steht Kommunen und weiteren Akteuren mit Beratung und Unterstützung zur Seite.




