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Investitionen in den Ausbau von Gigabitinfrastrukturen erfordern die Bereitstellung von Kapital in erheblicher Höhe. Der geschätzte Investitionsbedarf für den Aufbau von flächendeckenden Gigabitnetzen in Deutschland liegt laut Experten zwischen 50 und 90 Mrd. Euro. Die Mittel werden in erster Linie von den ausbauenden Netzbetreibern aufgebracht. Aber auch Bund, Länder und Kommunen tragen über diverse Förderaktivitäten einen signifikanten Anteil der Gesamtsumme.

Wie werden Gigabitnetze finanziert?

Der größte Teil der Investitionen in den Bau von Gigabitnetzen in Deutschland erfolgt durch die Netzbetreiber. Bis März 2025 etwa wurden rund 92% der Ausbauprojekte mit eigenen Mitteln finanziert, knapp 8% der Anschlüsse wurden durch den Einsatz von Fördermitteln realisiert (Quelle: Marktanalyse BREKO, 2025).

Fördermittel flankieren den Ausbau von Gigabitnetzen

Da sich jedoch nicht alle Gebiete wirtschaftlich erschließen lassen, unterstützen Bund und Länder den Ausbau von Gigabitnetzen zusätzlich mit Fördermitteln. Insbesondere in ländlichen Regionen, die eine dünne Besiedlung und begrenzte wirtschaftliche Perspektiven aufweisen, soll hier gefördert und die betroffenen Kommunen dabei unterstützt werden, die Lebensqualität vor Ort zu verbessern und Ihre Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu steigern. Fördermittelempfänger sind dabei die Kommunen, denen unterschiedliche Umsetzungsmodelle zur Verfügung stehen.

Sie können diese Netze selbst errichten und anschließend Netzbetreibern zur Nutzung überlassen (Betreibermodell); alternativ können sie die Errichtung und den Betrieb an Netzbetreiber vergeben und die fehlende Wirtschaftlichkeit mit Fördermitteln ausgleichen (Wirtschaftlichkeitslückenmodell). Die Förderquoten liegen dabei meist unter 100 Prozent, sodass auch die Kommunen einen Teil der Finanzierung übernehmen müssen (Eigenanteil), den es zu finanzieren gilt.

Die drei wichtigsten Finanzierungsmodelle:

1. Betreibermodell 

Beim Betreibermodell errichtet die öffentliche Hand, z. B. eine Kommune, die passive Netzinfrastruktur selbst oder lässt sie bauen. Anschließend wird das Netz an ein Telekommunikationsunternehmen verpachtet, das den Betrieb übernimmt und die Dienste anbietet. Die Kommune bleibt Eigentümerin der Infrastruktur und kann langfristig Einfluss auf die Nutzung nehmen. 

2. Wirtschaftlichkeitslückenmodell 

Dieses Modell kommt zum Einsatz, wenn der privatwirtschaftliche Ausbau eines Netzes wirtschaftlich nicht tragfähig ist. Die öffentliche Hand unterstützt das Telekommunikationsunternehmen finanziell, um die sogenannte „Wirtschaftlichkeitslücke“ zu schließen, also die Differenz zwischen den erwarteten Einnahmen und den tatsächlichen Ausbaukosten. Das Unternehmen baut und betreibt das Netz selbst. 

3. Mischfinanzierung 

Bei der Mischfinanzierung werden Elemente aus dem Betreibermodell und dem Wirtschaftlichkeitslückenmodell kombiniert. Beispielsweise kann die Kommune Teile der Infrastruktur bereitstellen, während das Telekommunikationsunternehmen den restlichen Ausbau übernimmt und Fördermittel für die Wirtschaftlichkeitslücke erhält. Dieses Modell bietet Flexibilität und kann auf die lokalen Gegebenheiten angepasst werden. 

Weitere Informationen zur Finanzierung. 

Branchendialoge und Markterkundungsverfahren 

Im Rahmen der Gigabitförderung 2.0 sind Branchendialoge und Markterkundungsverfahren inzwischen verpflichtende Voraussetzungen für die Beantragung öffentlicher Fördermittel. Ziel ist es, vorab zu prüfen, ob ein eigenwirtschaftlicher Ausbau durch Telekommunikationsunternehmen möglich ist und Fördermittel nur dort einzusetzen, wo dies nicht der Fall ist. 

Die neuen Mindestanforderungen für Branchendialoge wurden am 23. Januar 2025 veröffentlicht. 

KfW bietet flexible Instrumente zur Finanzierung des eigenwirtschaftlichen Ausbaus von Glasfasernetzen

Seit April 2020 gibt es bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zudem zwei hochflexible Instrumente zur Finanzierung des eigenwirtschaftlichen Ausbaus von Glasfasernetzen. Mit dem „Investitionskredit Digitale Infrastruktur“ und dem „KfW-Konsortialkredit Digitale Infrastruktur“ unterstützen das BMDS und die KfW den langfristigen und flächendeckenden Ausbau von Glasfasernetzen in Deutschland. Kommunale und mittelständische Netzbetreiber können damit den Glasfaserausbau finanzieren.

Hier sind die wichtigsten Eckpunkte:

Das Bild zeigt stilistisch dargestellte Moleküle, die in Form von grauen Punkten dargestellt sind. Dies soll die Vernetzung symbolisieren.
Artikel

Neue KfW-Förderprogramme für private und kommunale Unternehmen

2. April 2020
GBB_header_Workshop
Thema

Fördermöglichkeiten gezielt einsetzen

Was bei der Finanzierung wichtig ist

Grundsätzlich gelten im Hinblick auf die Finanzierung von Gigabitnetzen für Kommunen dieselben Prinzipien wie für private Unternehmen.

Risiko und Kapitalkosten

Generell gilt für Finanzierung: je höher das Risiko für den Kapitalgeber, desto höher sind die Kapitalkosten, also Zinsen. Eine Betrachtung des Risikos ist daher zentraler Bestandteil jeder Finanzierung, auch bei der Finanzierung von Glasfasernetzen. Dabei können zwei Aspekte unterschieden werden – die Bonität beschreibt die Kreditwürdigkeit des Kreditnehmers und seine Fähigkeit die aufgenommene Finanzierung auch unabhängig vom Projekterfolg zurückzuführen. Dies gilt primär für private Unternehmen, da Kommunen aufgrund von solidargemeinschaftlichen Finanzausgleichsmechanismen als insolvenzunfähig betrachtet werden und daher grundsätzlich Zugang zu den bestmöglichen Finanzierungskonditionen haben. 

Die tatsächliche Höhe der verfügbaren Kredite (Kreditvolumen) ist aber auch für Kommunen nicht unbegrenzt. Hier greifen unter anderem die Gemeindeordnung sowie die Haushaltspläne von Bund und Ländern. Neben der Bonität des Kreditnehmers wird auch das Risiko des zu finanzierenden Projektes selbst betrachtet. Im Falle einer reinen Projektfinanzierung kann der Kapitalgeber sogar ausschließlich auf das Risiko des Projektes abstellen. Die Sicherheiten bestehen in diesem Fall aus den Wirtschaftsgütern (z.B. dem zu errichtenden Netz) und den zu erwartenden Erträgen über den festgelegten Betrachtungszeitraum. Eine Standardfinanzierungslösung gibt es dabei selten; vielmehr sind Projektfinanzierungen auf das jeweilige Projekt individuell zugeschnitten. 

Möglichkeiten zur Verbesserung der Bonität 

Während Kommunalkredite grundsätzlich ohne Sicherheiten ausgereicht werden, besteht bei privatwirtschaftlichen Krediten die Möglichkeit, die Bonität des Unternehmens oder des Projektes zu verbessern, um so das verfügbare Kreditvolumen und die Konditionen zu verbessern. Beispiele hierfür sind Bürgschaften von bonitätsstarken Institutionen (z.B. von einer Bank oder dem Staat) oder durch zusätzliche Besicherung mit werthaltigen und fungiblen Sicherheiten (z.B, durch eine Bareinlage).

Geeignete Finanzierungsinstrumente auswählen

Die Wahl der Finanzierungsinstrumente hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Aber grundsätzlich gilt: je kleiner das Projektvolumen, desto einfacher ist in der Regel die Finanzierungsstruktur.

Für die Finanzierung des kommunalen Eigenanteils von Förderprojekten dürfte in den meisten Fällen ein Kommunalkredit oder (bei Betreibermodellen) ein Investitionskredit der KfW die beste Lösung darstellen. Bei größeren Projekten wird die Gesamtfinanzierung dagegen oftmals so strukturiert, dass unterschiedliche Finanzinstrumente kombiniert werden.

Je größer und komplexer das Vorhaben, umso eher können sich die zusätzlichen Transaktionskosten für eine strukturierte Finanzierung lohnen.

Hierbei werden unterschiedliche Tranchen mit jeweils eigenen Risikoprofilen gebildet, die dann an Investoren mit unterschiedlicher Risikobereitschaft vergeben werden. Die wesentlichen Finanzierungsinstrumente sind nachfolgend kurz zusammengefasst:

Das passende Geschäftsmodell finden

Von zentraler Bedeutung für das Vorhaben ist das angestrebte Geschäftsmodell, denn daraus ergeben sich der Finanzierungsbedarf und das Risiko des Vorhabens. Die nachfolgende Darstellung zeigt die geläufigsten Geschäftsmodelle im Telekommunikationsmarkt entlang der drei wesentlichen Wertschöpfungsstufen.

Gigabitbüro des Bundes

Diese bieten zahlreiche Umsetzungsmöglichkeiten. Während sich eine Infrastrukturgesellschaft zum Beispiel ausschließlich auf den Betrieb der passiven Infrastruktur in Stufe 1 konzentriert, übernimmt der Netzbetreiber den Betrieb der aktiven Infrastruktur in Stufe 2 und daraufhin Dritte das Angebot von Dienstleistungen in Stufe 3. Es besteht aber die Möglichkeit, mehrere Rollen entlang der Wertschöpfungskette zu übernehmen. Das heißt konkret, dass ein Infrastrukturinhaber auch über Stufe 1 hinaus in ein Ausbauprojekt eingebunden sein, oder ein einziger Anbieter allein für die Umsetzung der Stufen 1 bis 3 verantwortlich sein kann.

Die Darstellung macht zudem die zahlreichen unterschiedlichen Anforderungen der einzelnen Stufen eines Gigabitprojektes deutlich: Während in Stufe 1 hauptsächlich Planungs- und Bauleistungen benötigt werden, liegt der Fokus in Stufe 2 beispielsweise auf dem Netzmonitoring sowie in Stufe 3 auf Vertriebs- und Marketingmaßnahmen.

Je mehr Stufen abgedeckt werden, umso größer ist das Wertschöpfungspotenzial, aber auch das Risiko. Denn mit jeder zusätzlichen Wertschöpfungsstufe steigen auch Investitionsbedarf, operative Verantwortung und Komplexität des Vorhabens.

Die nachfolgende Aufstellung gibt einen Einblick in die wesentlichen Investitionskosten (CapEx) und Betriebskosten (OpEx), die in den einzelnen Wertschöpfungsstufen anfallen:

Erfolgsfaktoren bei der Vorbereitung einer Finanzierung

Bei der Finanzierung von Gigabitprojekten gibt es zahlreiche Aspekte zu beachten, um einerseits Investoren und Gesellschafter zu mobilisieren und andererseits Fremdkapitalgeber und Banken von dem Vorhaben zu überzeugen. Den Schlüssel zu einer erfolgreichen Finanzierung bildet die initiale Bestandsaufnahme und Planung, um zunächst die Ausgangssituation vollständig zu erfassen und die ausschlaggebenden Faktoren für die Wirtschaftlichkeit des Projektes zu verstehen. Dazu gehören insbesondere:

Die Kompetenzzentren der meisten Länder sowie das Gigabitbüro des Bundes, bieten hierfür umfangreiche Unterstützungsangebote für Kommunen, u.a. in den kostenfreien Schulungen.

Interview

Glasfaserausbau beginnt mit Vertrauen – Interview mit Dennis Ressel, Stadtwerke Geesthacht

20. Juni 2025
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Schulungen

Gigabitausbau: Eine gemeinsame Aufgabe

Die Finanzierung des Gigabitausbaus ist komplex und unterscheidet sich unter anderem je nach Region, gewähltem Geschäftsmodell und benötigtem Finanzbedarf. Eine Standardlösung hierfür gibt es nicht. Deshalb ist es umso wichtiger, die Gegebenheiten vor Ort zu berücksichtigen und sich passende Partner mit ins Boot zu holen. Denn um den Gigabitausbau voranzubringen, bedarf es des gemeinschaftlichen Engagements von Netzbetreibern, Bund und Ländern sowie insbesondere auch den Kommunen.

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