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Ein flächendeckender Gigabitausbau, der zügig und kosteneffizient realisiert werden will, stellt vor allem ländliche Regionen vor Herausforderungen. Wie dies auch über Landkreisgrenzen hinweg ermöglicht werden kann, zeigt das Nordhessen-Cluster. Die Kluft zwischen Ballungszentren und dem ländlichen Raum war auch hier gewohnt hoch. Der Markt wurde nicht aktiv – jedoch der politische Wille nach Fortschritt.

Zur Verlegung bereitstehende Kabeltrommeln © Breitband Nordhessen GmbH

Kurzprofil

Region
Nordhessen-Cluster (Landkreis Hersfeld-Rotenburg, Landkreis Waldeck-Frankenberg, Landkreis Kassel, Werra-Meißner-Kreis, Schwalm-Eder-Kreis)
Bundesland
Hessen
Projektziel
Flächendeckende Versorgung aller Städte/Gemeinden und Ortsteile mit Glasfaser bis zum Kabelverzweiger (FTTC) mit Fokus auf der Vorbereitung des weiteren FTTB/H-Ausbaus.
Projektstart
2014
Projektstatus
abgeschlossen
Finanzierung
Darlehen

Die politischen Entscheidungsträger zeigten Eigeninitiative und gründeten 2014 die Breitband Nordhessen GmbH, die sich fortan um den flächendeckenden Breitbandausbau der fünf nordhessischen Landkreise Hersfeld-Rotenburg, Kassel, Schwalm-Eder, Waldeck-Frankenberg und Werra-Meißner kümmert. Es entstand das größte Bauprojekt seiner Art im europäischen Raum, durch das heute 160.000 Haushalte und über 17.000 Gewerbebetriebe die Chance erhalten, Teil der Gigabitgesellschaft zu sein.

Um den Weg dafür zu ebnen, beauftragte die Breitband Nordhessen GmbH 2014 eine Machbarkeitsstudie zum Breitbandausbau auf Glasfaserbasis. Für das gesamte Projektgebiet wurden intensive Bedarfsabfragen und Markterkundungen durchgeführt. So entwickelte die zuständige Initiative in Zusammenarbeit mit den kommunalen Zuständigkeiten ein tragfähiges Geschäftsmodell, das in einer europaweiten Ausschreibung für alle fünf Landkreise mündete. Die Entscheidungsträger entschieden sich bewusst für die eigenwirtschaftliche Finanzierung, um schnellstmöglich mit dem Bauvorhaben beginnen zu können. Die Notifizierung des Eigenprojektes durch die EU-Kommission konnte bereits im April 2015 erreicht werden. Im darauffolgenden Monat erfolgte die Sicherstellung der Gesamtfinanzierung (Darlehen) über die Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen (WIBank), der Europäischen Investitionsbank (EIB) und auch die Bürgschaft durch das Land Hessen wurde zugesagt. Dadurch konnte der Bau bereits im Oktober 2016 beginnen.

In einem ersten Schritt konnte so das Glasfasernetz bis zum Kabelverzweiger (FTTC) geführt und alle rund 570 Ortsteile im Ausbaugebiet flächendeckend mit bis zu 50 Mbit/s (mit Vectoring bis zu 100 Mbit/s) angeschlossen werden. Der Ausbau konnte plangemäß und ohne zusätzliche Kosten im November 2019 abgeschlossen werden – auch durch den Einsatz von minimal-invasiven Verlegemethoden wie dem Spülbohrverfahren.

Im Rahmen der Netzplanung wurden bereits weitere Schritte auf dem Weg in die Gigabitgesellschaft mitgedacht und entsprechende Reservekapazitäten im Rahmen der Baumaßnahmen eingeplant. Masterpläne und Zielnetzplanungen helfen Kommunen zudem bei der Vorbereitung auf einen weiteren FTTB/H-Ausbau. Wichtige Weichen für die Verlegung der Glasfaser bis in die Gebäude konnten somit schon gestellt werden. Zusätzlich zum Hauptprojekt – dem Breitbandausbau in 570 Ortsteilen in Nordhessen auf FTTC-Basis – werden aktuell 91 Schulen im Ausbaugebiet der Breitband Nordhessen GmbH mit einem FTTB/H-Glasfaseranschluss ausgebaut.

Im Rahmen des Hauptprojektes wurden 2.200 km Trasse realisiert und 1.440 Multifunktionsgehäuse (MFG) gesetzt. Die Breitband Nordhessen GmbH verpachtet die passive Infrastruktur an die Netcom Kassel, die sich in einer europaweiten Ausschreibung durchgesetzt hat und das Netz im Rahmen eines Betreibermodells betreibt.

Die Gigabitgesellschaft – das ist nicht nur ein Schlagwort. Wir sind schon mittendrin. Obwohl noch nicht alle Voraussetzungen dafür geschaffen sind, und obwohl noch viele Anwendungen der Informationstechnik unseren Alltag weiter verändern werden, leben und handeln wir heute schon so wie die Mitglieder einer Gigabitgesellschaft

Kathrin Laurier, Geschäftsführerin der Breitband Nordhessen GmbH in Kassel.
Kathrin Laurier, © Breitband Nordhessen GmbH

Projekte dieser Größenordnung sind nicht nur aufgrund des hohen Planungsaufwandes und Finanzvolumens eine Herausforderung, auch die Zusammenarbeit von mehreren Landkreisen kann sich durch unterschiedliche lokalpolitische und parteiliche Interessen als Hürde herausstellen. Das Schnittstellen-Management von unterschiedlichen Stakeholdern, Gruppen und Interessen führt dann zu einem immensen Planungs- und Verhandlungsprozess. Nicht so in Nordhessen. Die Landkreise pflegen schon lange ein vertrauensvolles Verhältnis, um die Region gemeinschaftlich voranzubringen.

Besonders in Themen des Tourismus und der Wirtschaft arbeiten die fünf Landkreise in Nordhessen schon jahrelang zusammen. So traf der gemeinschaftliche Gigabitausbau auf fruchtbaren Boden. Die Gründung der Breitband Nordhessen GmbH war der Schlüssel zur Bewältigung von potenziellen Hürden. Denn sie steuert die zentrale Koordination, lässt den Kommunen aber die maximale Selbstbestimmung. Das Team steht als kompetenter und verlässlicher Ansprechpartner mit Rat und Tat zur Seite. Dementsprechend ist ein bedarfsgerechtes Vorgehen auf kommunaler Ebene möglich.

Die fünf Landkreise im Norden von Hessen zeichnen sich durch den gemeinsamen Blick auf die Zukunft der Region aus. Was mit einer Zusammenarbeit in Tourismus und Wirtschaft begann, konnte im Breitbandausbau fortgesetzt werden. So ist die Region in der Lage, Bedarfe immer wieder frühzeitig wahrzunehmen und darauf zu reagieren. Landkreise, sowie Städte und Gemeinden entwickeln weiterhin bedarfsgerechte Projekte in Digitalisierungsthemen. Kathrin Laurier möchte anderen Landkreisen vor allem einen durchdachten Planungsprozess ans Herz legen. Eine versierte Ressourcenplanung ist unabdingbar, um keine Überraschungen zu erleben und finanzielle und qualitative Belange bestmöglich steuern zu können. Der klare Vorteil in finanziellen Aspekten lag in Nordhessen im vereinbarten Festpreis der Bauvorhaben. Diese ökonomischen Entscheidungen nahm auch die Europäische Kommission wohlwollend wahr und zeichnete das NGA-Nordhessen Cluster als eines von fünf Projekten mit dem European Broadband Award aus. Hier war der Breitbandausbau Nordhessen der Gewinner in der Kategorie „Cost reduction and co-investment“.

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