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25. Juni 2026

Beim europäischen Netzwerktreffen der Broadband Competence Offices (BCO) am 11. und 12. Juni in Tschechien standen zentrale Weichenstellungen und Praxiseinblicke für den europäischen Gigabitausbau im Fokus. Vertreterinnen und Vertreter nationaler Kompetenzstellen zum Gigabitausbau, EU-Kommission und Netzbetreiber diskutierten aktuelle Herausforderungen bei Investitionen, Regulierung und Umsetzung – insbesondere im ländlichen Raum. Das Gigabitbüro des Bundes war vor Ort und brachte sich in den Austausch ein.

Versammlung beim europäischen Netzwerktreffen der Broadband Competence Offices (BCO) am 11. und 12. Juni in Tschechien. © Gigabitbüro des Bundes

Marktstruktur und Ausbauherausforderungen in Tschechien

Einblicke in den tschechischen Telekommunikationsmarkt zeigen Parallelen zu Deutschland. Auch aufgrund bereits gut ausgebauter Kabel- und Kupfernetze liegt die Nachfrage nach FTTB/H-Anschlüssen auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Ende 2025 waren rund 40,6 % der Haushalte mit Glasfaser erreichbar („Homes Passed“). Besonders prägend ist der breite Einsatz von Fixed Wireless Access (FWA), der vielerorts Bandbreiten von bis zu 100 Mbit/s ermöglicht und damit die Nachfrage nach Glasfaser hemmt. FWA ist eine Breitband-Internetzugangsmethode, bei der Internet für stationäre Standorte (wie Privathaushalte oder Unternehmen) über Mobilfunknetze (LTE oder 5G) bereitgestellt wird.

Das tschechische BCO (angesiedelt im tschechischen Ministerium für Handel und Industrie) übernimmt hier eine aktive Rolle: In ihren Aufgabenbereich fällt unter anderem das Hosting von Versorgungskarten zum Festnetz- und Mobilfunkausbau, die Unterstützung von Kommunen bei Genehmigungsverfahren und die Umsetzung europäischer Vorgaben wie den Gigabit Infrastructure  Act (GIA) und den Digital Services Act.

Europäische Finanzierungs- und Regulierungsrahmen im Wandel

Ein weiteres zentrales Thema war der künftige europäische Finanzrahmen (MFF) für die Jahre 2027–2034. Ziel ist es, Investitionen gezielt zu stärken und die Rahmenbedingungen für Konnektivität europaweit zu harmonisieren. Fördermittel sollen künftig flexibler und einfacher bereitgestellt werden, wobei die Mitgliedstaaten stärker in die Planung eingebunden werden. Bestehende Programme wie die „Connecting Europe Facility“ (CEF) sollen nicht fortgeführt werden; stattdessen ist eine Finanzierung über neue Strukturen vorgesehen, welche sich derzeit noch im Ausarbeitungsprozess befinden.

Staatliche Förderung und technologische Entwicklungen

Auf europäischer Ebene liegt ein Schwerpunkt der Förderung aktuell auf resilienter Infrastruktur, insbesondere auf Unterseekabeln. Gleichzeitig wird der Ausbau von 5G-Standalone-Netzen als Voraussetzung für die digitale Transformation gesehen. Zudem adressiert die EU strategische Abhängigkeiten, etwa durch den Aufbau eigener Satellitensysteme (IRIS²) sowie Investitionen in Rechenzentren und Edge-Infrastrukturen, bei denen die Rechenleistung, der Speicher und die Datenverarbeitung eines Rechenzentrums nah an die Endgeräte der Nutzerinnen und Nutzer gelegt werden. Die EU-Förderung zielt darauf ab, Innovation zu stärken und die Wettbewerbsfähigkeit Europas im globalen Vergleich zu sichern.

Investitionen und Versorgung im ländlichen Raum

In den Diskussionen wurde deutlich, dass die Erschließung der letzten Versorgungsbereiche weiterhin in verschiedenen Ländern eine zentrale Herausforderung darstellt. Konsens bestand darin, dass die Versorgung ländlicher Regionen auch künftig einen erheblichen Investitionsbedarf erfordern wird. Die BCO übernehmen dabei eine wichtige koordinierende Rolle, indem sie unabhängig von einzelnen Marktakteuren agieren und als Schnittstelle zwischen Verwaltung, Politik und Unternehmen fungieren.

Digital Networks Act: Harmonisierung und Kupfer-Glasfaser-Migration

Mit dem geplanten Digital Networks Act (DNA) verfolgt die Europäische Kommission das Ziel, einen einheitlichen Binnenmarkt für Telekommunikation zu schaffen. Zentrale Elemente sind harmonisierte Zugangsbedingungen, eine koordinierte Frequenzvergabe sowie die Förderung von Innovationen, etwa durch neue 6G-Anwendungen und die stärkere Einbindung von Satellitenkommunikation.

Ein wesentlicher Bestandteil ist zudem die schrittweise Abschaltung von Kupfernetzen in allen Mitgliedsstaaten, zu der im Entwurf des DNA folgende Rahmenbedinungen genannt werden:

Die Vertreterinnen aus den Ländern Spanien und Norwegen, wo die Kupferabschaltung bereits abgeschlossen wurde (2025), betonten in diesem Zusammenhang, dass eine frühzeitige und umfassende Bürgerkommunikation entscheidend für die Akzeptanz und reibungslose Durchführung des Abschaltungsprozesses vor Ort ist. Die Abschaltung selbst verlief in diesen Ländern ohne größere Schwierigkeiten.   

Praxiseinblicke: Netzbetrieb und Ausbau vor Ort

Am zweiten Veranstaltungstag stand der Austausch mit Praxisakteuren, insbesondere mit den ausbauenden Telekommunikationsunternehmen, im Mittelpunkt. Herausforderungen bestehen insbesondere bei Genehmigungsverfahren, die lokal unterschiedlich ausgestaltet sind und zu Verzögerungen führen können. Weitere Einblicke zeigten die Potenziale privater und hybrider 5G-Netze, etwa für Campusanwendungen oder mobile Einsatzszenarien. Lange Planungs- und Genehmigungszeiten sowie die Zurückhaltung von Kundinnen und Kunden beim Wechsel auf den Glasfaseranschluss stellen nicht nur in Deutschland weiterhin große Herausforderungen bei der Umsetzung von FTTB/H-Projekten dar.

Der direkte Austausch vor Ort beim BCO-Netzwerktreffen wurde von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern aufgrund vieler ähnlicher Herausforderungen erneut als konstruktiv und hilfreich bewertet.

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