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Effizienz, Nachhaltigkeit und die kluge Nutzung vorhandener Ressourcen gewinnen beim Glasfaserausbau zunehmend an Bedeutung. Der B2B-Infrastrukturanbieter GasLINE GmbH & Co. KG hat im November 2025 in Essen-Steele eine Glasfaserbaustelle mit deutlich reduziertem CO₂-Ausstoß realisiert: Auf rund einem Kilometer wurden Glasfaserkabel mit elektrischen Maschinen und mobilem Akkuspeicher, ohne lokale Abgasemissionen im unmittelbaren Baubetrieb verlegt. Wolfram Rinner, Geschäftsführer von GasLINE, erklärt im Gespräch mit dem Gigabitbüro des Bundes, wie Mitverlegung in der Praxis funktioniert, welche Hürden es gibt und was das Pilotprojekt in Essen für andere Kommunen bedeutet.

Die Baustelle in Essen-Steele © GasLINE GmbH & Co. KG

Digitalisierung und Nachhaltigkeit müssen kein Widerspruch sein.

Wolfram RinnerGeschäftsführer GasLINE GmbH & Co. KG

Finja Ahlborn (Gigabitbüro des Bundes): Herr Rinner, GasLINE ist seit fast 30 Jahren im deutschen Telekommunikationsmarkt aktiv. Was macht Ihr Unternehmen und was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Wolfram Rinner: GasLINE ist ein führender Anbieter von Glasfaserinfrastruktur in Deutschland. Unser Kerngeschäft umfasst die Bereitstellung und Vermietung nicht aktiv geschalteter Glasfaser, sogenannter Dark Fibre, sowie der Ausbau und Betrieb leistungsfähiger Lichtwellenleiter-Infrastrukturen. Wir sind kein klassischer Endkundenanbieter, sondern agieren überwiegend im B2B- und Wholesale-Markt. Unsere Kunden sind Telekommunikationsunternehmen, Stadtwerke, Energieversorger und die öffentliche Hand. Heute verfügen wir über ein bundesweit vermaschtes Glasfasernetz mit rund 65.000 Kilometern Netzlänge und planen bis 2029 weitere rund 5.000 Kilometer. Ein wesentlicher Teil unserer Infrastruktur liegt im Schutzstreifen von Gashochdruckleitungen. Das verschafft uns besondere Trassenressourcen und langfristige Stabilität.

Finja Ahlborn: Welche Rolle spielen Kommunen in Ihrer Wachstumsstrategie?

Wolfram Rinner: Kommunen sind für uns wichtige Impulsgeber, Kooperationspartner und Nutzer digitaler Infrastruktur zugleich. Wir unterstützen sie insbesondere dort, wo leistungsfähige Backbone-Strukturen benötigt werden, um lokale Glasfasernetze an überregionale Weitverkehrsnetze anzubinden. Gerade bei der Mitverlegung, beim geförderten Ausbau und bei der Anbindung von Gewerbegebieten können kommunale Bedarfe und unsere Infrastruktur sinnvoll zusammengebracht werden.

Finja Ahlborn: Mitverlegung klingt naheliegend, aber warum wird sie in der Praxis noch verhalten eingesetzt?

Wolfram Rinner: Das liegt vor allem an organisatorischen und regulatorischen Herausforderungen. Besonders bei geförderten Ausbauprojekten entstehen zusätzliche Anforderungen an Planung, Dokumentation und Nachweisführung, die Abstimmungen komplexer machen. Hinzu kommen häufig lange Bearbeitungszeiten bei Förderanträgen: Da viele Projekte erst nach Bewilligung der Fördermittel starten können, verschieben sich Zeitpläne und damit auch die Koordination gemeinsamer Baumaßnahmen. Wir begegnen dem mit frühzeitiger Abstimmung und vorausschauender Planung. Über alle Baustellentypen hinweg liegt der Anteil an Baustellen mit Mitverlegung schätzungsweise bei 3 bis 5 Prozent, bei strategischen Projekten und größeren Trassenmaßnahmen jedoch bei rund 50 bis 60 Prozent.

Straßen, Gehwege und öffentliche Flächen müssen nur einmal geöffnet werden. Das verkürzt Bauzeiten und verringert Belastungen für Anwohnerinnen und Anwohner spürbar.

Wolfram RinnerGeschäftsführer GasLINE GmbH & Co. KG

Finja Ahlborn: Was sind die konkreten Vorteile für Kommunen und Bürgerinnen und Bürger?

Wolfram Rinner: Die Mitverlegung bietet allen beteiligten Akteuren erhebliche Vorteile. Für Kommunen sowie Bürgerinnen und Bürger bedeutet sie vor allem, dass Straßen, Gehwege und andere öffentliche Flächen nur einmal geöffnet werden müssen. Dadurch lassen sich Bauzeiten verkürzen und Belastungen für Anwohnerinnen und Anwohner verringern. Zudem profitieren Mitverlegungspartner von geringeren Herstellungskosten, weil Tiefbauarbeiten und Infrastrukturmaßnahmen gemeinsam umgesetzt werden können.

Auch für uns ergeben sich wirtschaftliche Vorteile durch die gemeinsame Durchführung von Baumaßnahmen. Gleichzeitig ist die Mitverlegung mit einem höheren Koordinations- und Dokumentationsaufwand verbunden.

Eine pauschale Quantifizierung der Einsparungen ist nicht möglich, da diese stark von den jeweiligen Projektbedingungen abhängen. Grundsätzlich lassen sich aber deutliche Kostenvorteile gegenüber einer getrennten Umsetzung erzielen.

Finja Ahlborn: Im November 2025 hat GasLINE in Essen-Steele eine Baustelle mit reduziertem CO-Ausstoß realisiert. Was war das Besondere daran?

Elektrisches Bohrgerät © GasLINE GmbH & Co. KG

Wolfram Rinner: Die Idee entstand aus dem Anspruch, den Glasfaserausbau nicht nur leistungsfähig und effizient, sondern zugleich die Emissionen im Tiefbau durch den Einsatz elektrifizierter Technik (bspw. elektrisches Bohrgerät) zu reduzieren. In Essen-Steele haben wir eine Lücke zwischen bestehenden GasLINE-Trassen geschlossen und dabei erprobt, wie weit sich Emissionen im Tiefbau durch elektrifizierte Technik bereits heute verringern lassen. Dieselbetriebene Maschinen wurden durch elektrische Alternativen ersetzt. Das hat lokale Abgasemissionen und Lärm im unmittelbaren Baubetrieb deutlich reduziert. Zugleich hatte das Projekt einen großen Lerneffekt für die Branche: Digitalisierung, Glasfaserausbau und der Anspruch, Emissionen zu verringern, müssen kein Widerspruch sein.

Finja Ahlborn: Die Baustelle war teurer als eine konventionelle. Wie ehrlich muss man da sein?

Wolfram Rinner: Sehr ehrlich. Die Umsetzung mit elektrifizierter Technik hat insbesondere durch Logistik, Stillstandzeiten zum Laden, Einweisungen und die mobile Energieversorgung im Pilotprojekt zusätzliche Kosten verursacht. Aber: Die Gesamtkosten haben sich nicht verdoppelt und ein Großteil der Kosten wäre auch bei klassischer Durchführung angefallen. Eine große Herausforderung war zudem, die gewohnte Selbstverständlichkeit eines vollen Dieseltanks durch strukturierte Energieplanung zu ersetzen. Im ersten Bauabschnitt reichten die Akkulaufzeiten beispielsweise nicht immer für einen vollständigen Arbeitstag. Im zweiten Abschnitt waren viele Abläufe bereits deutlich routinierter.

Finja Ahlborn: Wie viel CO₂ wurde konkret eingespart?

Wolfram Rinner: Über beide Bauabschnitte hinweg wurden insgesamt rund 2,5 Tonnen eingespart. Das Ziel der Emissionsreduktion wurde damit erreicht. Zusätzlich konnten Abgasemissionen und Baustellenlärm in den elektrifizierten Arbeitsschritten verringert werden. Das stellt gerade im innerstädtischen Umfeld einen spürbaren Mehrwert dar.

Entscheidend ist nicht, dass jede Baustelle sofort vollständig nach demselben Muster umgesetzt wird – sondern dass die gewonnenen Erfahrungen systematisch in künftige Planungen einfließen.

Wolfram RinnerGeschäftsführer GasLINE GmbH

Finja Ahlborn: Ist das Modell aus Essen-Steele auf andere Kommunen übertragbar?

Wolfram Rinner: Ja, grundsätzlich schon, aber man muss realistisch bleiben. Übertragbar sind vor allem die Grundprinzipien: frühzeitige Energieplanung, elektrifizierte Maschinen, enge Abstimmung mit Baupartnern und eine Bauorganisation, die Ladezeiten und Logistik von Anfang an mitdenkt. Gerade innerstädtische Baustellen oder sensible Bereiche können besonders profitieren. Nicht jede Baustelle ist unter heutigen Marktbedingungen gleichermaßen geeignet. Die Verfügbarkeit passender Maschinen und die Ladeinfrastruktur sind entscheidende Faktoren.

Finja Ahlborn: Wird Nachhaltigkeit künftig ein Wettbewerbsvorteil in kommunalen Ausschreibungen?

Wolfram Rinner: Davon bin ich überzeugt. Kommunen stehen zunehmend vor der Aufgabe, Klimaschutzziele, Lärmschutz, Akzeptanz in der Bevölkerung und effiziente Flächennutzung zusammenzubringen. Bauweisen, die Emissionen reduzieren und wiederholte Eingriffe in Straßen und Gehwege vermeiden, werden an Bedeutung gewinnen. Entscheidend ist, dass Nachhaltigkeitsansprüche nicht nur als Schlagwort verwendet werden, sondern mit konkreten Erfahrungen, belastbaren Konzepten und nachvollziehbaren Ergebnissen verbunden sind. Die Erfahrungen aus Essen-Steele zeigen, dass emissionsärmere Bauweisen technisch möglich sind und in bestimmten Einsatzbereichen bereits heute spürbare Vorteile bieten können. Wenn Kommunen entsprechende Kriterien konsequent in Ausschreibungen berücksichtigen, kann das Innovationen beschleunigen und Anbieter stärken, die frühzeitig in emissionsärmere Bauprozesse investieren.

Über den Gesprächspartner: Wolfram Rinner

Portrait von Wolfram Rinner, Geschäftsführer GasLINE GmbH & Co. KG
Wolfram Rinner (Geschäftsführer GasLINE GmbH & Co. KG). © GasLINE GmbH & Co. KG

Wolfram Rinner ist Geschäftsführer der GasLINE GmbH & Co. KG. Gemeinsam mit seinem Geschäftsführungskollegen Michael Schaff verantwortet er die strategische Ausrichtung des Unternehmens, darunter den Netzausbau, die Weiterentwicklung des Geschäftsmodells sowie die Verankerung von Zukunftsthemen in der Unternehmensstrategie. GasLINE wurde 1996 gegründet und betreibt heute ein bundesweites Glasfasernetz mit rund 65.000 Kilometern Netzlänge.

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