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Bürgerinnen und Bürger mit Rettungskräften digital vernetzen, um eine schnellere und bessere Erstversorgung zu stellen. Dieses Ziel verfolgt das Digitalisierungsprojekt der Stadt Ulm, gefördert durch das 5G-Innovationsprogramm des BMVI mit dem offiziellen Titel „Rettungsbürger*in und Smarter Rettungseinsatz – 5G-Technologie im Rettungs- und Feuerwehrwesen an der Schnittstelle von Stadt und ländlichem Raum in der Innovationsregion Ulm“.

Kurzprofil

Projektstart
Februar 2021
Projektdauer
3 Jahre
Fördersumme
3,9 Mio. Euro
Mittelgeber
5G-Innovationsprogramm des Bundesministeriums für Verkehr und Digitale Infrastruktur
Projektkonsortium
Accellonet GmbH, BOS Connect GmbH, Frequentis GmbH, Germandrones GmbH, Eurocommand GmbH, Fraunhofer Gesellschaft (Institute IAO und IIS), Nokia Solutions and Network GmbH & Co. KG, Sympalog Voice Solutions GmbH, Universität Stuttgart IAT, Stadt Ulm, Alb-Donau-Kreis, Landkreis Neu-Ulm

Analoge Navigation und Kommunikation per Funk stellt für Einsatzkräfte eine große Herausforderung dar

Eine kurze Dauer zwischen dem Eingang eines Notrufs bis zum Eintreffen der Rettungskräfte an einem Unfallort ist für die Verletzten oft überlebenswichtig. Vor allem, wenn keine Ersthelfer*innen vor Ort sind. Besonders in ländlichen Gebieten, bedingt durch die weiten Distanzen, stellt dies ein Problem dar. Zudem wissen Bürger*innen und Augenzeug*innen oft nicht, wie sie sich als Ersthelfer*innen richtig verhalten sollen.

Gerade der ländliche Raum mit seinen besonderen Bedingungen und langen Wegstrecken kann von der Entwicklung dieser Technologie im Rettungswesen stark profitieren, wenn wichtige Informationen in Sekundenbruchteilen digital übermittelt werden können. Letztlich geht es hier um den bestmöglichen Schutz und Rettung von Leben. Ich freue mich, dass die vorbildliche Zusammenarbeit der Akteure in der Region Früchte trägt und wir mit dem Pilotprojekt in Bälde starten können.

Heiner Scheffold, Landrat Alb-Donau-Kreis

Aufteilung in verschiedene Themenfelder zur besseren Planung und Koordination

Zurzeit werden verschiedene Szenarien untersucht, wie man Echtzeit-Datenübertragung über 5G am besten im Rettungswesen – bei Notruf, Einsatzkräften und erster Hilfe – nutzen kann. Hierbei geht es darum, Instrumente und Technologien, die bereits erfolgreich im Einsatz sind, auf ihr Potenzial auf Erweiterung und 5G-Anbindung zu bewerten. Dabei steht die enge Zusammenarbeit mit Feuerwehr und Rettungskräften an erster Stelle, damit der Praxisbezug stets gegeben ist.

In sogenannten „Use Cases“ wird bereits an konkreten Lösungen gearbeitet, die im Laufe der drei Jahre erprobt werden und zum Einsatz kommen sollen. Die Hauptfelder sind hierbei „Notruf“ (Optimierung des Kräfteeinsatzes, Verbesserung der Lageeinschätzung in der Leitstelle), „Erste Hilfe“ (Verkürzung therapiefreier Intervalle) und „Einsatzkräfte“ (Optimierung der Lageeinschätzung, Schutz der Einsatzkräfte).

Mit der Übertragung von Live-Daten und Videochats zu einer schnellen Ersthilfe am Unfallort

Bei dem ersten Themenfeld „Notruf“ geht es darum, dass mithilfe von 5G Technologie Sprachbarrieren durch Spracherkennung und Übersetzung überwunden werden. Zudem sollen die Einsatzkräfte mithilfe von Live-Videoübertragung schon während des Notrufs einen Überblick von der aktuellen Situation am Einsatzort erhalten und auf Basis von Video- und Bildmaterial den Kräfteeinsatz sowie die Lageeinschätzung optimieren können.

Ein weiteres Thema sind die „Einsatzkräfte“. Bei dem Teilprojekt „Smarter Einsatzwagen/Smarte Einsatzkleidung“ geht es darum, mithilfe von Echtzeit-Datenübertragung via 5G möglichst viele Informationen über die Sachlage zu sammeln und auszuwerten. So können beispielsweise Sensoren in der Kleidung der Feuerwehrleute ihre Vitalwerte messen, um den Gesundheitszustand der Rettungskräfte zu überwachen und bei kritischen Werten sofort zu reagieren. Auch mobile Sensoren für den Einsatz mit Gefahrgütern wie bspw. Rauchgasausbreitung oder Starkregenereignisse
sollen die Sicherheit aller Beteiligten erhöhen. Dadurch können die Einsatzkräfte schon frühzeitig über besondere Gegebenheiten am Unfallort informiert werden, was insbesondere bei komplexen Einsatzlagen hilft, die Situation richtig einzuschätzen.

Durch den Bereich „Erste Hilfe“ sollen Bürger*innen mit einer App ausgestattet werden, die ihnen Anweisungen gibt, wie sie sich bei einem Unfall vor Ort als Ersthelfer*in verhalten müssen. Dadurch können Bürger*innen am Unfallort noch vor Eintreffen der Rettungskräfte angeleitet erste Maßnahmen durchführen und wichtige Ersthilfe leisten. Darüber hinaus ist geplant, autonome Drohnen mit Sanitätsmaterial („Ulmer Koffer“) auszustatten, welches sie noch vor Eintreffen der Rettungskräfte an den Unfallort transportieren können, um Ersthelfer*innen zu unterstützen.

© Fraunhofer IAO

Neben den technischen Bedingungen muss ein rechtlicher Rahmen geschaffen werden

Seit Projektstart geht es konkret darum, die Projektpartner mit in die weitere Planung einzubeziehen. Es wurde früh erkannt, dass nur durch enge Zusammenarbeit verhindert werden kann, dass die zugehörige Hardware (Funkmasten, 5G kompatible Endgeräte, Drohnen) fehlt oder die Ideen in der Praxis nicht umsetzbar sind. Während der Planungsphase wurde klar, dass hilfreiche Instrumente und Technologien oftmals bereits im Einsatz sind und es vielmehr darum geht, diese zu verbessern als neu einzuführen. Ein Beispiel sind Drohnen im Rettungseinsatz. Diese kommen in der Arbeit von Sanitäter*innen und Feuerwehrleuten heutzutage bereits vielfältig zum Einsatz. Durch 5G kann diese Technologie nun erweitert werden, um einen größeren Mehrwert zu schaffen und die Nutzung der Daten und Informationen zu verbessern.

Dafür müssen allerdings vorab wichtige Fragen des Datenschutzes geklärt werden. Welche gesetzlichen Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden, damit die Projekte umsetzbar sind und rechtssicher geholfen werden kann? Ziel des Projektes ist es daher auch, Fragen zur Verwaltungsmodernisierung und bezüglich des Umgangs mit sensiblen Daten zu klären.

Diese Fragen bilden neben der Technologie, dem 5G-Netz und der kompatiblen Hardware den Grundstein für die erfolgreiche Umsetzung des Projekts.

Fazit

Der Einsatz von Echtzeit-Daten über 5G im Rettungswesen bietet großes Potenzial, Einsätze schneller und besser zu koordinieren und damit Leben zu retten. In den kommenden drei Jahren werden im Rahmen des Projekts „Rettungsbürger*in und Smarter Rettungseinsatz“ mehrere konkrete Anwendungsbereiche getestet und Lösungsansätze in verschiedenen Szenarien untersucht. Der Effekt der Technologie ist direkt erkennbar und messbar. Doch für die erfolgreiche Skalierung muss begleitend eine rechtssichere Basis geschaffen und offene Fragen des Datenschutzes geklärt werden.

Weitere Informationen erhalten Sie hier:
https://landkreis.neu-ulm.de/de/aktuelles-detail/projekt-rettungsbuergerin-und-smarter-rettungseinsatz.html
https://www.cityandbits.de/2020/03/25/smarter-rettungseinsatz-fuer-ulm-5g-modellprojekt-bmvi/
https://innovationsregion-ulm.de/2021/01/27/vier-millionen-fuer-5g-projekt/

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