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Gigabitbüro des Bundes

Ardian ist eine der weltweit führenden unabhängigen Investmentgesellschaften mit einem verwalteten Vermögen von insgesamt über 100 Mrd. USD. Über seinen Investmentbereich Ardian Infrastructure ist die Gesellschaft einer der größten Infrastrukturinvestoren in Europa. Hier verwaltet Ardian ca. 16 Mrd. USD an Eigenkapital und hat bereits in mehr als 45 Infrastrukturunternehmen investiert. Zu den Beteiligungen zählen Unternehmen in den Sektoren Versorgung, erneuerbare Energien, Strom- und Gasnetze, Öl- und Gasspeicher, Mobilfunktürme, Glasfasernetzte, Autobahnen und Flughäfen.

Seit 2001 ist Ardian in Deutschland präsent. Aus einer weltweit starken Basis von mehr als 1.000 Investoren stehen deutsche Investoren für einen signifikanten Teil des von Ardian Infrastructure verwalteten Vermögens. Ende letzten Jahres wurde Ardian Infrastructure Anteilseigner bei der EWE AG in Oldenburg – gemeinsames Ziel ist es, vor allem in die strategischen Bereiche erneuerbare Energien, Telekommunikation und Netze zu investieren. Welche Rolle dabei der Gigabitausbau in Deutschland für Ardian spielt, erläutert Dr. Daniel Graf von der Schulenburg, Managing Director und Head of Infrastructure von Ardian Deutschland im Gespräch mit dem Gigabitbüro des Bundes.

Dr. Daniel Graf von der Schulenburg, Managing Director und Head of Infrastructure von Ardian Deutschland Ardian Deutschland

Können Sie die Aktivitäten von Ardian im Bereich Infrastruktur kurz beschreiben?

Dr. Daniel Graf von der Schulenburg: 2005 wurde der Investmentbereich Ardian Infrastructure als dritte Säule von Ardian gegründet. Inzwischen investieren wir in Infrastruktur in ganz Europa, in Nordamerika und einigen Ländern in Lateinamerika. Der Fokus unserer Infrastrukturfonds liegt auf Transaktionsgrößen zwischen 250 Millionen und 1 Milliarde Euro, zusammen mit Partnern wie EWE realisieren wir aber auch kleinere oder größere Transaktionen.

Wir sind der Überzeugung, dass Infrastruktur nicht nur eine attraktive Anlageklasse darstellt, sondern auch essenziell und notwendig ist, um das gesellschaftliche Leben sowie die Lebensqualität und Wirtschaftskraft eines Landes zu stützen. Hierbei sind ESG-Faktoren und auch der Makrotrend Digitalisierung von besonderer Bedeutung. Unser Investitionsfokus liegt in drei Kernbereichen: Energie, Transport und Telekommunikation. Der Ausbau von Glasfaser-Infrastruktur, Mobilfunk-Technologie und Datenzentren interessiert uns im Telekommunikationsbereich besonders. Wir verstehen uns als unternehmerischer Partner, der Unternehmen und seine Management-Teams aktiv unterstützt und voranbringt. Dazu bringen wir neben Kapital unsere Erfahrung und unser Netzwerk aus zahlreichen Infrastrukturinvestitionen mit ein.

Was macht die Investitionen in Infrastruktur für Sie besonders?

Dr. Daniel Graf von der Schulenburg: Infrastrukturinvestitionen haben die Eigenschaft, dass sie in der Regel sehr kapitalintensiv und zugleich meist geografisch begrenzt sind. Es gibt auch internationale Infrastrukturprojekte, in der Regel sind es jedoch Projekte mit regionalem oder nationalem Charakter. Aufgrund der Kapitalintensivität, Größe und technischer Komplexität gibt es in einer Region oft nur sehr wenige oder gar nur ein einziges dieser Projekte. Man denke dabei zum Beispiel an Flughäfen oder Telekommunikationsnetze. Deshalb werden diese Infrastrukturen der gesamten Bevölkerung oder allen möglichen Nutzern zur Verfügung gestellt. Diese regionale Einzigartigkeit dient als sehr hohe Eintrittsbarriere. Hervorzuheben ist auch der langfristige Anlagehorizont, ein Grund weshalb auch unsere Anlagefonds langfristig aufgebaut und strukturiert sind.

Demnach ist auch der Ausbau digitaler Infrastruktur für Sie attraktiv?

Natürlich. Digitale Infrastruktur ist essenziell für das Funktionieren unserer Gesellschaft und Grundvoraussetzung, um Digitalisierung, Innovation und Technologie nachhaltig voranzutreiben. Deshalb kann sie auch eine sehr stabile Investition sein. Dabei sind die Kapitalintensität bei Glasfasernetzen und das beschleunigte Ausbautempo in Deutschland meist die ausschlaggebenden Gründe für das Hinzuziehen privater Investoren. Hier können wir helfen.

Wieviel Kapital steht für Investitionen in digitale Infrastruktur bei Ardian in Deutschland zur Verfügung?

Dr. Daniel Graf von der Schulenburg: Ardian verwaltet aktuell rund 16 Mrd. Dollar an Eigenkapitalfonds im Segment Infrastruktur. Derzeit investiert Ardian in Europa aus dem Infrastructure Fund V. Für diesen wurden ca. 6,2 Mrd. Euro an Eigenkapital eingeworben, was ihn zum größten auf den europäischen Markt ausgerichteten Infrastrukturfonds macht. Ein signifikanter Teil des Kapitals und der Unterstützung verdanken wir hier dem Vertrauen deutscher Investoren. Zu unseren Fondsinvestoren zählen deutsche Versicherungen, Versorgungswerke oder Pensionsfonds, die diesen Markt attraktiv finden, den gesellschaftlichen Nutzen sehen und unterstützen wollen. Der Infrastructure Fund V wurde erst 2019 geschlossen, das heißt ein großer Teil des Kapitals steht noch zur Verfügung. Dieses wird in die drei beschriebenen Segmente investiert: Energie, Transport und Telekommunikation. Die genaue Aufteilung der Investitionen folgt natürlich Diversifizierungsprinzipien und hängt auch von den Chancen ab, die wir in den jeweiligen Märkten sehen. Aber ich kann sagen, dass eine signifikante Summe in den Telekommunikationsbereich fließen wird.

Wie schätzt Ardian den deutschen Breitbandmarkt ein auch im Vergleich zu europäischen Märkten – in welchen Bereichen sehen Sie die interessantesten Potenziale?

Dr. Daniel Graf von der Schulenburg: Im Infrastrukturbereich findet immer dann starkes Wachstum statt, wenn eine Versorgungslücke vorhanden ist, sowie der gesellschaftliche Nutzen und Wille, eben diese Lücken zu schließen. Das ist eine wesentliche Grundvoraussetzung – und macht den deutschen Telekommunikationsmarkt so spannend. Gerade beim Thema Breitbandversorgung hat Deutschland im Vergleich zu anderen EU-Ländern noch etwas aufzuholen – dies macht aktuell auch die Corona-Krise deutlich, wo es Bürgern noch mehr auffällt, wenn die Internetverbindung lahmt. Zusätzlich zur bereits bestehenden Infrastruktur – ob Coax, Kupfer, Vectoring – muss deshalb verstärkt auf den Glasfaseranschluss bis zum Haus gesetzt werden. Positiv zu bemerken ist, dass diese Versorgungslücke gesellschaftlich und politisch erkannt und allen daran gelegen ist, diese möglichst kurzfristig zu schließen. Es bedarf hierfür großer Anlagesummen und Expertise, dazu können private Investoren einen Beitrag leisten.

Ähnliche Themen kommen aber auch auf der Mobilfunkseite auf uns zu. Wenn man sich die Dichte des 4G-Netzes anschaut, sind wir im europäischen Vergleich hinterher und wenn wir an den Ausbau des 5G-Netzes denken, müssen wir noch mehr Mobilfunktürme in einer höheren Dichte zur Verfügung stellen. Im Juni 2020 haben wir uns zum Beispiel an der italienischen Infrastrutture Wireless Italiane, kurz INWIT, signifikant beteiligt, einem der führenden Unternehmen im europäischen Mobilfunkmasten-Sektor.

Welches sind die Investmentkriterien von Ardian im deutschen Markt für digitale Infrastruktur?

Dr. Daniel Graf von der Schulenburg: Wenn man Deutschland mit anderen europäischen Ländern vergleicht, hat es bisher weniger Infrastrukturprojekte gegeben, zu denen private Investoren Zugang hatten. Das liegt zum einen an der Marktstruktur, zum Teil aber auch daran, dass die Projekte sehr kleinteilig sind. Gerade beim Glasfaserausbau ist das Einzelprojekt im ländlichen Bereich oft auf kommunaler Ebene angesiedelt. Um in diese Art Projekte zu investieren, gehen wir Partnerschaften mit Netzbetreibern, Telekommunikationsunternehmen, Versorgern und erfahrenen Management-Teams ein, bei denen Ardian als Kapitalgeber den Ausbau unterstützt.

Worauf achten Sie bei der Auswahl Ihrer Investments?

Dr. Daniel Graf von der Schulenburg: Uns geht es weniger um Einzelprojekte, sondern vielmehr um Partnerschaften mit Unternehmen, mit denen das Kapital dann in viele Einzelprojekte in der Region fließt – ähnlich wie es bei EWE der Fall ist. Es müssen daher Unternehmen sein, die die Fähigkeiten und Voraussetzungen haben, eine Großzahl von Projekten zu realisieren. Dazu zählen Maßnahmen wie zum Beispiel das Genehmigungsverfahren durchzuführen, den Bau zu organisieren und natürlich anschließend durch den Vertrieb oder die Vorvermarktung die Auslastung des Netzes sicherzustellen. Bei derartigen Situationen können wir mit Kapital und Expertise unterstützen. Wichtig ist natürlich auch, dass die Region noch Potenzial hat, ein entsprechendes Volumen an neuen Netzen zu errichten.

Im Zuge unserer Beteiligung an der EWE haben wir dem Unternehmen unter anderem signifikantes zusätzliches Kapital bereitgestellt, was nun für Wachstumsprojekte eingesetzt wird. EWE ist ein starker langfristiger Partner in seiner Heimatregion und treibt dort den Glasfaserausbau aktiv voran. Hierzu hat die EWE ein Joint Venture mit der Deutschen Telekom gegründet, über welches die beiden Unternehmen gemeinsam 2 Milliarden Euro in Glasfaserausbau investieren wollen, um schnelleres Internet für die Bevölkerung und auch im ländlichen Raum verfügbar zu machen.

Wie lange dauert der Prüfungsprozess, sprich, wie lange ist der Vorlauf für eine Investition von der Idee bis zur Entscheidung?

Dr. Daniel Graf von der Schulenburg: Wir sind da sehr unternehmerisch und können ziemlich schnell sein. Wichtig ist, dass man gerade bei langfristigen Investitionen seine Hausaufgaben schon lange vorher gemacht hat, den Markt versteht und die Zahlen, Modelle und Akteure kennt. Das ermöglicht einem, bei der richtigen Gelegenheit schnell reagieren zu können. Die eigentlichen Transaktionen finden dann meist innerhalb sehr kurzer Zeiträume statt.

Was muss geschehen, damit mehr Projekte umgesetzt werden und insbesondere auch mehr Projekte eigenwirtschaftlich ohne Subventionen finanziert werden können?

Dr. Daniel Graf von der Schulenburg: Generell liegt der Schlüssel für erfolgreiche Projekte darin, dass der Projektentwickler, die Investoren und auch die öffentliche Hand eng zusammenarbeiten. Ein wichtiges Thema in Deutschland ist die Beschleunigung der Genehmigungsverfahren, zum Beispiel durch den Einsatz standardisierter und digitalisierter Verfahren.

Darüber hinaus ist Baukapazität ein Engpass und die derzeitige Förderung erhöht leider indirekt die Baukosten, da der Bau und nicht die Nutzung des Glasfasernetzes subventioniert wird. Dies schadet indirekt Projekten, die eigenwirtschaftlich ohne Subventionen möglich wären und nicht die nötige preiswerte Baukapazität finden können. Daher sollte natürlich die Baukapazität erhöht, aber eventuell auch Subventionen anders strukturiert werden. Dies könnte zum Beispiel durch einen Förderungsvoucher oder steuerliche Absetzbarkeit bei der Kundennutzung erreicht werden.

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